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Ratgeber · 8 Min Lesezeit ·

KI-Doku-Hilfen für Arztpraxen 2026 im Vergleich — was wirklich sicher ist

Doctolib, Eudaria, Heidi, noteey, Nuance DAX, myScribe, IDKI und Otium — wo bleibt die Patienten-Aufnahme, wer trainiert mit Ihren Daten, was bedeutet „DSGVO-konform" wirklich. Ein nüchterner Vergleich, geschrieben für Ärzte.

KI-Doku für Arztpraxen ist kein Nischenthema mehr. In Deutschland nutzen mehrere zehntausend Praxen mindestens ein KI-Werkzeug. Aber: Die Lösungen unterscheiden sich erheblich darin, was mit den Patientendaten Ihrer Sprechstunde passiert.

Wir vergleichen die acht wichtigsten Anbieter — entlang der Fragen, die für Ärzte zählen.

Worauf wir vergleichen

Die 8 Anbieter im Schnellüberblick

1. Doctolib KI-Sprechstundenassistent

Der große Anbieter, den wahrscheinlich jeder kennt. Über die Aaron.ai-Übernahme integriert, mit ISO-Zertifikaten ausgestattet, ab 59 € im Monat als Zusatz zum Doctolib-Pro-Account. Aber: Audio wird übertragen, das Training mit Patientendaten ist Gegenstand mehrerer datenschutzrechtlicher Diskussionen, und ohne Doctolib-Account ist’s nicht buchbar.

2. Eudaria

Bonner Startup mit eigener Finanzierung, Schwerpunkt Orthopädie/Unfallchirurgie über die BVOU-Partnerschaft. 99 bis 269 € pro Monat — mit Termin-Caps und Mehrverbrauchs-Aufschlägen, was bei intensiver Nutzung schnell teurer wird als geplant. Browserbasiert, keine Hardware vor Ort. Nimmt sich im Vertrag das Recht, anonymisierte Patientendaten zur Modell-Verbesserung zu nutzen — ein Punkt, den datenschutzbewusste Praxen oft ablehnen.

3. Heidi Health

Ursprünglich aus Australien, seit Januar 2026 mit Berliner Niederlassung. Sehr poliertes Produkt, beste UX am Markt — aber der Mutterkonzern sitzt außerhalb der EU, und alles läuft in der Cloud. Pricing eher Klinik-orientiert.

4. Nuance DAX Copilot

Microsoft-Tochter. Reifes Produkt, gute Integration in den Microsoft-Umfeld. US-Konzern direkt — damit gilt für Ihre Patientendaten potenziell auch US-Recht. Für Compliance- sensible Praxen meist ausgeschlossen.

5. noteey

Berliner Anbieter, browserbasiert, fokussiert auf Hausärzte. Ähnliche Architektur wie Eudaria, besseres UX als manche Wettbewerber, aber dieselbe Cloud-Frage.

6. myScribe

Mannheimer Anbieter, Schwerpunkt Klinik. Für niedergelassene Praxen meist nicht das primäre Produkt — wer Klinik-IT-Anschluss braucht, schaut hier rein.

7. IDKI

Der einzige andere echte Vor-Ort-Anbieter im deutschsprachigen Raum. Klein, weniger sichtbar, aber technisch sauber: Patientendaten verlassen die Praxis nicht. Wer Hardware vor Ort will, sollte sich IDKI mit ansehen.

8. Otium

Kleiner otium.arx vor Ort + verschlüsselter Tunnel zu eigener Hardware in einem deutschen Rechenzentrum (für besonders aufwendige Briefe — auch dann liest niemand mit, auch wir nicht). Kein US-Konzern im Hintergrund, kein Training mit Patientendaten — schwarz auf weiß im Vertrag, mit Vertragsstrafe. Datenschutzvertrag, Schweigepflicht-Verpflichtung der Mitarbeiter und KI-Pflichten-Ordner inklusive.

Direkter Vergleich

FrageDoctolibEudariaHeidiNuance DAXnoteeymyScribeIDKIOtium
Audio bleibt in Ihrer Praxis
Computer für die Praxis im Preis
Kein US-Konzern im Hintergrund?✓ (DE-Cloud)
Kein Training mit Patientendaten?????
Praxissoftware-Anbindung breitteilweiseteilweiseteilweisenur Klinik

Wie Sie sich entscheiden

Wenn Datenschutz für Sie das Hauptkriterium ist — etwa weil Sie viele psychisch belastete Patienten betreuen, sensible Diagnosen stellen, oder einfach kein gutes Bauchgefühl bei der Cloud haben: Otium oder IDKI sind die einzigen sauberen Optionen.

Wenn Sie Doctolib bereits nutzen: Der Sprechstundenassistent von Doctolib ist die geringste Setup-Hürde. Akzeptieren Sie aber, dass Audio Ihre Praxis verlässt und die Trainings-Frage offen bleibt.

Wenn Sie BVOU- oder BvDU-Mitglied sind: Eudaria hat Verbandsrabatte und einen Orthopädie- Fokus. Lesen Sie die Vertragsklauseln zur Trainings-Nutzung sehr genau.

Wenn Sie eine Klinik-Anbindung brauchen: myScribe bietet die Schnittstellen, die andere nicht haben.

Was Sie konkret prüfen sollten — egal welcher Anbieter

Lassen Sie sich vor Vertragsunterschrift schriftlich geben:

  1. Wo läuft das Programm physisch? (Land, Anbieter)
  2. Wie lange wird Audio bzw. Transkript gespeichert?
  3. Werden Ihre Daten — auch „anonymisiert” — zum KI-Training genutzt?
  4. Welcher US-Konzern ist im Hintergrund? (Microsoft, AWS, Google, OpenAI?)
  5. Bekommen Sie den Datenschutzvertrag (AVV) ohne Aufpreis?
  6. Wird das Personal des Anbieters auf die ärztliche Schweigepflicht verpflichtet?
  7. Was passiert mit Ihren Daten bei Vertragsende?

Wenn ein Anbieter eine dieser Fragen nicht klar beantworten kann oder will: Das ist die Antwort.

KI-Pflichten ab August 2026

Ab August 2026 müssen Praxen, die KI nutzen, ein paar Pflichten erfüllen — Schulung des Teams, Aufsicht über die KI-Texte, ein paar Dokumente. Achten Sie darauf, ob der Anbieter das mitliefert oder ob Sie das selbst aufbauen müssen.

Fazit

Der Markt teilt sich aktuell in drei Lager:

  1. Cloud-Anbieter mit deutscher Adresse (Doctolib, Eudaria, noteey) — bequem, Compliance hängt am Kleingedruckten.
  2. Cloud-Anbieter mit US-Konzern dahinter (Nuance DAX, Heidi) — bequemes Setup, aber mit US-Risiko.
  3. Vor-Ort-Anbieter mit eigenem otium.arx (IDKI, Otium) — etwas mehr Setup, dafür ist das Datenschutz-Thema architektonisch erledigt.

Was Sie wählen, hängt davon ab, wie wichtig Ihnen die juristische Klarheit gegenüber dem Setup-Komfort ist. Beide Antworten sind legitim — Hauptsache, Sie kennen den Unterschied.

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