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Ratgeber · 7 Min Lesezeit ·

EU AI Act ab August 2026 — 8 Stolperfallen für Arztpraxen

Risikoklassen, Schulungspflichten, Doku-Anforderungen, Übergangsfristen: Was niedergelassene Ärzte konkret beachten müssen, sobald der AI Act greift.

Der EU AI Act ist seit August 2024 in Kraft. Die für Arztpraxen relevanten Regelungen greifen schrittweise — die wichtigsten ab August 2026. Wer KI in der Praxis einsetzt, ist Betreiber im Sinne der Verordnung und trägt eigene Pflichten. Diese acht Stolperfallen sehen wir aktuell am häufigsten.

1. Falsche Risikoklasse angenommen

Der AI Act unterscheidet vier Risikoklassen. Medizinische KI fällt in zwei davon — und die Einordnung ist nicht immer offensichtlich.

Eine Software, die einen Arztbrief formuliert, ist in der Regel nicht hochriskant. Eine Software, die Befunde befundet oder Diagnosen vorschlägt, schon. Die Einordnung muss der Anbieter liefern — der Betreiber muss sie nachvollziehen können.

2. Keine schriftliche Mitarbeiterschulung

Art. 4 AI Act fordert eine ausreichende „KI-Kompetenz” beim Personal, das KI-Systeme bedient. Die Pflicht greift seit Februar 2025. Eine mündliche Einweisung reicht nicht — die Schulung muss dokumentiert sein.

Inhalte, die abgedeckt werden müssen:

Empfehlung: Eine Stunde pro Mitarbeiter, schriftliches Protokoll, jährliche Auffrischung.

3. Keine Dokumentation des KI-Einsatzes

Bei Hochrisiko-KI muss der Betreiber den Einsatz protokollieren — wer hat wann welche KI-Ausgabe genutzt und wie weiter verarbeitet. Bei begrenztem Risiko reicht eine allgemeine Übersicht. In jedem Fall müssen Sie auf Anfrage darstellen können, welche KI-Werkzeuge Sie einsetzen und wofür.

„Die Aufsicht wird nicht jede Praxis besuchen. Aber im Schadensfall — etwa nach einem Behandlungsfehler — wird genau hingesehen.” — Vortrag einer Datenschutzbehörde, März 2026

4. Übergangsfristen falsch eingeschätzt

Der AI Act greift gestaffelt. Wichtige Daten für Arztpraxen:

DatumWas gilt
Februar 2025KI-Kompetenzpflicht für Personal
August 2025Pflichten für Anbieter von General-Purpose-KI
August 2026Pflichten für Hochrisiko-KI in vielen Sektoren
August 2027Volle Anwendbarkeit für Hochrisiko-KI in Medizinprodukten

Wer eine Hochrisiko-KI bis August 2026 nicht konform betreibt, riskiert Bußgelder bis zu 15 Mio. Euro oder 3 % des weltweiten Umsatzes — bei einer Praxis greift naturgemäß die niedrigere Pauschale, sie ist aber nicht zu vernachlässigen.

5. Keine Information der Patienten

Patienten müssen erfahren, wenn KI an ihrer Versorgung beteiligt ist — zumindest dann, wenn die KI über reine Hintergrund-Verwaltung hinausgeht. Die Information kann im Aufnahmebogen, in der Praxisinformation oder mündlich erfolgen, sollte aber nachweisbar sein.

In der Praxis hat sich ein kurzer Absatz im Behandlungsvertrag bewährt: „Bei der Erstellung medizinischer Dokumente unterstützt uns ein lokales KI-System. Die ärztliche Verantwortung bleibt unberührt.”

6. Keine Aufsicht durch den Arzt

Der AI Act fordert „menschliche Aufsicht” über Hochrisiko-KI. Übersetzt: Es muss klar sein, wer verantwortlich ist und wer die KI-Ausgabe prüft, bevor sie wirksam wird. In der Praxis bedeutet das: Der Arzt gibt frei, der Arzt unterschreibt, der Arzt haftet.

Was nicht funktioniert: Eine MFA gibt KI-erzeugte Briefe ohne ärztliche Sichtung an Patienten heraus.

7. Cloud-Anbieter ohne EU-Sitz

Anbieter aus den USA fallen unter den AI Act, sobald sie ihre Dienste in der EU anbieten. In der Praxis ist die Durchsetzung gegen US-Anbieter aber schwierig. Wer auf rechtssicherem Grund stehen will, wählt Anbieter mit EU-Sitz und EU-Verarbeitung — oder noch sicherer: lokale Hardware in der eigenen Praxis.

8. Keine Vorbereitung auf Audits

Eine Datenschutzbehörde oder Aufsichtsbehörde kann jederzeit Auskunft verlangen. Drei Unterlagen sollten griffbereit sein:

Wer diese drei Unterlagen in einer halben Stunde vorlegen kann, hat den größten Teil der Audit-Fragen abgedeckt.

Praktischer Hinweis

Lokale KI in der otium.arx vereinfacht den AI-Act-Umgang erheblich: keine Drittstaaten-Anbieter, klare Verantwortungskette, leichtere Doku. Otium liefert genau dieses Modell — Hardware vor Ort, ohne Cloud, mit nachvollziehbarem Einsatzprotokoll.

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